Rarotonga

[Sebastian 14.06.2015]

Wie wir gehört haben, bricht in Deutschland so langsam aber sicher der Sommer an. Und was machen wir? Fliegen im tiefsten Winter auf die Cook Islands. Die Cookies stehen fröstelnd am Strand (kein Witz!) und wundern sich über all die verrückten Urlauber, die sich in die 24 Grad kalten Fluten trauen. Bei gerade mal 25 Grad Lufttemperatur! Aber was soll man machen, wenn man extra so weit angereist ist …

Uns kann das nicht schrecken!

Uns kann die “Kälte” nicht schrecken!

Die Cook Inseln haben sich 1965 entschieden, unabhängig zu sein. Seitdem sind sie mit Neuseeland frei assoziiert. Das bedeutet, alle ca. 15.000 Cookies (die Angaben schwanken sehr stark sind aber kontinuierlich abnehmend) haben die neuseeländische Staatsbürgerschaft, Neuseeland übernimmt die außenpolitische Vertretung, die Währung ist der Neuseeland-Dollar und die Queen ist das Staatsoberhaupt, aber ansonsten ist man stolz, seit 50 Jahren unabhängig zu sein. Unser erstes Ziel, die Hauptinsel Rarotonga, wo ca. 80% der Bevölkerung lebt, liegt knapp 3.000 km nordöstlich von Auckland. Schon am Flughafen ist hier alles sehr entspannt. (Das Equivalent zur Fiji-Time heißt hier Island-Time.) Ob man noch im Transitbereich auf die Einreise wartet oder bereits eingereist ist, jeder kann die gleichen Toiletten benutzen.

Unsere Unterkunft ist eine nette kleine Ferienwohnung direkt am Muri Beach. (Ganz in der Nähe ist die Bucht, von der aus vor über 1000 Jahren die großen Auslegerkanus zur Besiedelung Neuseelands starteten. Genaugenommen müssten also die Neuseeländer die Staatsbürgerschaft ihres Mutterlands Rarotonga haben.) An diesem schönsten Abschnitt der Insel hat das vollständig geschlossene Saumriff eine große, 1-2m flache Lagune mit vier idyllischen Motus (Inseln) gebildet. Ideale Bedingungen zum Baden, Schnorcheln, Kiten, Stand-up-paddling oder Kayaken.

Das Ufer bei unserer Unterkunft bei Flut aus.

Das Ufer bei unserer Unterkunft bei Flut

Doch bevor wir das (und noch mehr) genießen können, müssen wir uns (wieder mal) in die Mühlen der Bürokratie begeben. Da wir beschlossen hatten, neben Rarotonga und Aitutaki auch noch Atiu zu besuchen, reicht unser 31-Tage-Visum nicht aus. Von Deutschland hatten wir per Mail keine Antwort auf unsere Anfrage bekommen, in Wellington gab uns die Frau High Commissioner ihre Mailadresse, die nicht funktionierte und bei der Einreise konnte man unser Visum nicht am Schalter verlängern. Also müssen wir zum Immigration Office in Avarua (dem einzigen Ort und damit auch der Hauptstadt der Cook Inseln). Der ÖPNV ist zum Glück übersichtlich, einfach und erinnert an die Scheibenwelt von Terry Pratchett. Es gibt nur zwei Buslinien, die alle Stunde die Insel in ca. 50min umrunden: Clockwise und Anti-Clockwise.

Unser Busfahre Mr. Hopeless ist eine Attraktion für sich. Mit viel Humor unterhält er die den ganzen Bus und erklärt die ganze Insel.

Unser Busfahre Mr. Hopeless ist eine Attraktion für sich. Mit viel Humor unterhält er den ganzen Bus und erklärt nebenbei die ganze Insel.

Die Alternative zum Bus sind die unzähligen Motorroller für die man eine extra Führerschein erwerben muss.

Die Alternative zum Bus sind die unzähligen Motorroller, für die man einen extra Führerschein erwerben muss. Siehe insbesondere Sternchen.

140 NZ$ und ein weiterer Stempel im Pass später ist dann endlich alles ganz unproblematisch geklärt und wir nutzen die Gelegenheit, uns mit Lebensmitteln einzudecken. Wir wurden vorher mehrfach gewarnt, wie teuer und übersichtlich das Angebot hier sei und hatten vorsorglich eine ganze Reisetasche mit allerlei Leckereien (inkl. Rum und Wein aus dem Duty Free!) aus Neuseeland importiert. Das Angebot vor Ort war dann aber (zumindest auf Rarotonga) gar nicht mal so schlecht, wenn auch wie erwartet etwas teurer als in Neuseeland. Insbesondere Obst und Gemüse beschränken sich meist auf die wenigen lokalen Erzeugnisse. Das Highlight ist daher der samstägliche Wochenmarkt. Hier erwartete uns sogar eine besondere Überraschung: 100%iges Roggenbrot wie in Deutschland. Nach so etwas haben wir in Neuseeland überall gesucht! Ein Hochgenuss für unsere weißbrotgeplagten Mägen. Und auch für die Kaffeetanten ist gesorgt. Direkt neben unserer Unterkunft parkt täglich eine hervorragende mobile Espressostation.

Na, endlich alles geklärt?

Na, endlich alles geklärt?

Nachdem nun alle Grundbedürfnisse befriedigt sind, können wir endlich ins Inselleben eintauchen. Wir starten mit einer touristischen und sehr gut organisierten Schnorcheltour inkl. leckerem Fisch-BBQ auf einer der Motus und einer interessanten und eindrucksvollen Show rund um die Kokosnuss vom pazifischen Meister im Kokospalmenklettern persönlich.

In 7s die Palme rauf - und wieder runter! Unglaublich!

In 7s die Palme rauf – und wieder runter! Unglaublich!

Die folgenden Tage fahren wir mit dem Bus zu den besten Schnorchelspots und erkunden die Lagune auf eigene Faust mit Kayak, Auslegerkanu (inkl. unfreiwilliger Kenterung) und Tredelkat. (Letzterer ist ein Katamaran, dessen Tretmechanismus zwei schmale Metallflossen seitwärts durchs Wasser bewegt. Der Effekt ist ähnlich wie beim Wriggen und erstaunlich effektiv.)

Ja, es ist in Natura so bilderbuchmäßig wie es aussieht.

Ja, es ist in Natura so bilderbuchmäßig wie es aussieht.

Man muss allerdings ständig aufpassen, nicht mit einem der vielen flachen Reefheads zu kollidieren. Das Schnorcheln ist wieder mal begeisternd und ganz anders als in Fiji. Die Korallen sind nicht so vielfältig wie dort, dafür sehen wir viel größere Fische. Zudem bilden die flachen hellen Sandböden einen interessanten Kontrast zu den steilen Reefheads.

Es gibt wieder so viel zu sehen!

Es gibt wieder so viel zu sehen!

Schwierig, die schreckhaften kleinen Kerlchen von Nahmen aufs Foto zu bekommen

Schwierig, die schreckhaften kleinen Kerlchen von Nahem aufs Foto zu bekommen

 

Ganz unten verstecken sich oft die interessantesten Fische. Leider ratscht sich Tine gleich an dieser Koralle das Bein.

Ganz unten verstecken sich oft die interessantesten Fische. Leider ratscht sich Tine gleich an dieser Koralle das Bein.

Allerdings wird es ab der zweiten Hälfte unseres Aufenthalts sehr windig und damit bewölkt, aufgewühlt und trübe. Mehrere Tage brandet das Meer mit Windstärke 5 gegen das Saumriff und bricht sich in beindruckenden, meterhohen Wellenbergen. Von der permanenten Geräuschkulisse der Brandung (die auf der ganzen Insel deutlich zu hören ist) ganz zu schweigen.

Beruhigend, wenn man das Schauspiel aus der geschützten Lagune heraus genießen kann.

Beruhigend, wenn man das Schauspiel aus der geschützten Lagune heraus genießen kann.

Solche Tage sind eine gute Gelegenheit, das Inselinnere zu erkunden (oder gemäß Terry Pratchett erst zentral und dann randwärts zu wandern). Mit der Inselberühmtheit Pa als Führer kraxeln wir über abenteuerliche Pfade einmal quer über die Insel (bis auf 400m Höhe).

Die Ausblicke über die Insel entschädigen ausreichend für den schweißtreibenden Aufstieg.

Die Ausblicke über die Insel entschädigen ausreichend für den schweißtreibenden Aufstieg.

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Am Ende können wir uns zur Belohnung an einem Wasserfall abkühlen – und die verschlammten Schuhe und Hosen notdürftig säubern.

Auch die Kultur kommt natürlich nicht zu kurz. Wir hatten schon so viel von den Kirchengesängen gehört, dass wir Heiden uns am Sonntag auch mal zu einem Gottesdienst aufmachen. Die christliche Religion ist in vielen Facetten ein fester Bestandteil der lokalen Kultur (so wird z.B. sonntags kein Alkohol ausgeschenkt) und insbesondere der Gottesdienst am Sonntag ist für die meisten Einheimischen ein wichtiger Teil des Lebens, zu dem die ganze Familie festlich weiß gekleidet erscheint. Der Gottesdienst ist weitestgehend auf Maori (so dass wir so gut wie nichts verstehen) begleitet von vielen, (sehr) lauten, mehrstimmigen Gesängen der Gemeinde. Äußerst beeindruckend!

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Bei den Frauen gehört meist ein schicker Strohhut zur festlichen Kleidung.

Ein paar Tage später stand dann die vorchristliche Kultur auf dem Programm, als wir eine zwar touristische, aber exzellent organisierte und durchgeführte Island Night besuchten. Eine zweistündige Tour durch ein authentisch gestaltetes Dorf brachte uns an verschiedenen Stationen die Geschichte und das Leben der polynesischen Bevölkerung anschaulich nahe. Anschließend gab es am Ufer eines künstlichen Teichs ein phantastisches Buffet mit lokalen Spezialitäten sowie eine beeindruckende Tanzshow auf der zentralen Insel des Teichs. Tolle Location, hervorragende Tänzer, mitreißende Trommelmusik, leckeres Essen (vor allem der Nachtisch, den wir irgendwie noch reinquetschen) – ein rundum gelungener Abend.

Insbesondere die Tänzer haben es Tine angetan.

Insbesondere die Tänzer haben es Tine angetan.

Morgen müssen wir leider schon weiter. Aber immerhin soll die nächste Insel Aitutaki angeblich die schönste Lagune der Welt haben. Wir sind gespannt – und werden natürlich wieder berichten.

7 Gedanken zu „Rarotonga

  1. Beate und Joachim

    Hallo Ihr Lieben,
    haben uns mal wieder auf den neuesten Stand Eurer Reise gebracht!
    Da wächst doch wieder die Urlaubslust.
    Sind übrigens bald wieder in Eurer Nähe, im September geht es nach Tonga.
    Vielleicht sehen wir uns ja….?
    Aber wirklich immer wieder schöne Erlebnisse bei Euch, schauen immer mal wieder rein und freuen uns über Eure Berichte.
    Viel Spaß weiterhin beim Schnorcheln, bald kommen ja auch die Wale, vielleicht zieht da auch mal einer bei Euch vorbei.
    Viel Spaß noch und immer schön weiter schreiben!
    Ganz liebe Grüße,
    Beate und Joachim

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  2. Mandy

    vielen Dank ihr Lieben für eure schöne Karte von Rarotonga. So wie es aussieht, werdet ihr bald Schwimmhäute ansetzten :-).
    Hier ist auch der Hochsommer ausgebrochen. 35 Grad sind angesagt.
    Liebe Grüße von den Boenkes

    PS. Vincent hat gerade Klassenfahrt!

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  3. Ingrid&Dieter

    Liebe Kinder,
    danke für den aktuellen Beitrag im Blog. Durch die weniger gute Versorgung mit Internet sind wir ja ganz stark auf die Berichterstattung im Blog eingeschränkt. Wir freuen uns, dass es euch allen gut geht. Wir würden auch gerne mal wieder ein Gespräch per FaceTime führen. Haben Josephina und Jonathan jetzt eigentlich Ferien oder geht bei euch das Schuljahr weiter?
    Wir haben zur Zeit hier in Schwerin auch eher Herbst als Sommer. Das Thermometer steigt kaum über 15 Grad. Wir lassen es uns aber trotzdem gut gehen und grillen gerade ein Hähnchen zum Mittag. Da es allerdings gerade auch noch nieselt, werden wir es wohl in der Wohnstube essen.
    Nochmals viele liebe Grüße und weiterhin so tolle Erlebnisse.
    GLG Dieter&Ingrid

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  4. Mandy

    Hallo ihr lieben!

    Sehr schön wieder von euch zu lesen. Die Zeit vergeht ja wie im Flug. Die Cook Inseln klingen sehr interessant. Die Unterwasserwelt sieht so toll aus. Wir haben hier tatsächlich Sommer, sehr schön. Beste Zeit des Jahres ☺️. Genießt eure freie Zeit. Liebe Grüße an alle . Mandy

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  5. Toni

    Hallo ihr lieben,

    auch ich finde endlich mal wieder die Zeit mir eure Berichte ein bisschen intensiver durchzulesen und nicht nur zu überfliegen (Betriebsversammlung sei Dank). Die Unterwasserbilder sind echt der Hammer! Ich war ja noch nie selber Schnorcheln (außer im Tankumsee und da ist die Sicht nicht besonders toll und mehr als das haarige Bein von meiner Nachbarin habe ich auch noch nicht entdeckt…. aber egal) da bekommt man richtig Lust mal selbst die Meereswelt aus der Nähe zu betrachten.

    Ich wünsche weiterhin eine tolle Reise und freue mich auf den nächsten, spannenden Bericht.
    Ganz liebe Grüße
    Toni

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  6. KiMi

    Schöner Bericht :) und immer wieder spannend was ihr alles erlebt und entdeckt. Haben schon sehnsüchtig auf euren nächsten Bericht gewartet ;) freuen uns schon auf den nächsten.

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  7. Anne & Dieter

    Rarotonga, das klingt rhythmisch, hört sich wie eine duftende Blume an. Wir staunen und staunen, was ihr alles erlebt … und dass das bei euch “Winter” sein soll. Genießt weiter die Zeit unterm Regenbogen, eure Plauer
    OpaPa Dieter und OmaMa Anne

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