Iquique

[Sebastian 01.09.2015]

Es ist wieder soweit. Es gibt frischen Nachschub für all die Blogjunkies da draußen. Aber bevor es losgeht, sei mir eine Anmerkung erlaubt.
Anhand Eurer Zuschriften und der Blogstatistik beschleicht uns das ungute Gefühl, dass im Großraum Wolfsburg unsere Berichte anscheinend ausschließlich am Arbeitsplatz konsumiert werden. Wir hoffen, dass dies keine nachteiligen Auswirkungen auf die Produktivität unseres ehemaligen und zukünftigen Arbeitgebers hat. Also schön auf die Pausenregelung achten!

1000m geht es vom Hochplateau hinab nach Iquique.

1000m geht es vom Hochplateau hinab nach Iquique.

So jetzt geht’s aber los.
Die kleine Küstenstadt Iquique liegt am Rande der Atacamawüste in einer kleinen Nische, die das Küstengebirge und eine riesige Sanddüne dem Ort zugestanden haben. Zu ihrer Hochzeit, während des Salpeterbooms, soll hier weltweit der meiste Champagner pro Kopf konsumiert worden sein. Doch wo viel zu holen ist, ist der Ärger oft nicht weit. Ende des 19. Jahrhunderts lieferten sich Chile, Peru und Bolivien den vierjährigen „Salpeterkrieg“ um diese unwirtliche Wüstenregion. In der Folge verlor Bolivien seinen Zugang zum Meer, die Provinzen um Iquique bis hoch nach Arica wurden chilenisch und die Beziehungen der Länder (insbesondere zwischen Bolivien und Chile) blieben bis heute vergiftet. (Ich fand die Geschichte dazu auf Wikipedia hochinteressant. So hat z.B. Chile vor einigen Jahren angeboten, Bolivien einen Korridor zum Meer zu überlassen, wogegen Peru ein Veto eingelegt hat, da dieses Gebiet vor dem Krieg peruanisch war und daher nur an Peru zurückgegeben werden kann.)

Direkt hinter dem schmalen Streifen Stadt erhebt sich das Küstengebirge.

Direkt hinter dem schmalen Streifen Stadt erhebt sich das Küstengebirge.

Hier wollen wir also unser Spanisch auf einen anwendbaren Stand bringen (und nach Santiago wieder etwas Sonne und Wärme auftanken.) Die Sprachschule ist zum Glück nur wenige hundert Meter entfernt und so stehen wir jeden Morgen tapfer früh auf, um zur Schule zu gehen. Jetzt zahlt sich das fleißige Lernen mit unserem Computerprogramm aus. Wir haben dadurch schon einen ganz brauchbaren (passiven) Wortschatz und können/müssen jetzt in unserem Privatkurs  4 Stunden täglich Rede und Antwort stehen. Am Anfang ist es sehr holprig, aber nach ein paar Tagen sind wir selbst überrascht, wie viel wir mittlerweile ausdrücken (und verstehen) können (wenn der Gegenüber halbwegs langsam und deutlich – also nicht chilenisch – spricht). Mit der komplexen Grammatik stehen wir immer noch etwas auf Kriegsfuß, aber die wichtigsten Formen bekommen wir halbwegs hin. (Wir stellen mit unserer Lehrerin immer wieder fest, wie vergleichsweise einfach doch Englisch in dieser Beziehung ist.)

Sissi und Jorge haben geduldig eine Woche unser Gestammel ertragen.

Sissi und Jorge haben geduldig eine Woche lang unser Gestammel ertragen.

Die Kinder lernen derweil im Nebenraum Englisch und spielen. An den Nachmittagen können wir dann nach leckeren Mittagessen in einheimischen Lokalen die Stadt erkunden, den Nachbau der „Esmeralda“ besichtigen (und bei der Führung fast alles verstehen!), die weitere Route planen und (ganz wichtig) ”unseren” Espresso bei Francesco am Plaza Prat trinken.

Am zentralen Platz wird ausgiebig DEM chilenischen Kriegshelden gehuldigt.

Am zentralen Platz wird ausgiebig DEM chilenischen Kriegshelden gehuldigt.

(Für Interessierte: Die Esmeralda war ein älteres, chilenisches Kriegsschiff, dass im Salpeterkrieg bei der Blockade Iquiques gerammt und samt Kapitän versenkt wurde. Soweit so ruhmlos. Im Verlauf der Seeschlacht von Iquique vom 21.5.1879 lief allerdings auch das stärkste Schiff der peruanischen Marine auf Grund und sank. Damit veränderte sich das maritime Kräfteverhältnis zu Gunsten Chiles. Heute wird diese Schlacht als entscheidender Wendepunkt des Salpeterkriegs gefeiert und der Kapitän der „Esmeralda“ – Arturo Prat – als chilenischer Held überall verehrt.)

Die Replik des "Heldenschiffs" war sehr detailliert und anschaulich.

Die Replik des “Heldenschiffs” war sehr detailliert und anschaulich.

Nach einer Woche ist es dann geschafft und wir bekommen unsere Sprachzertifikate. Und was noch wichtiger ist: Wir trauen uns jetzt zu, uns halbwegs auf spanisch durchzuschlagen. (Ursprünglich wollten wir drei Wochen Sprachkurs machen, haben das aber nach Josephinas Armbruch reduziert, um noch genug Zeit für Südamerika zu haben. Im Nachhinein sind wir ganz froh, da das tägliche, konzentrierte Lernen in der 2vs1 Situation doch mächtig schlaucht.) Zur Feier des Tages kommt dann endlich Josephinas Gips ab.

Josephinas "neuen" Arm feiern wir im besten Argentinier der Stadt.

Josephinas “neuen” Arm feiern wir im besten Argentinier der Stadt.

Danach bleiben wir noch ein paar Tage, um einige Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen. Wir besuchen die Oasenstadt Pica mit ihrem Thermalbad, fahren zum Gigante de Atacama (der weltweit größten petroglyphischen Darstellung eines Menschen) und erkunden die Geisterstadt Humberstone. Dort wurde mitten in der Wüste bis in die sechziger Jahre Salpeter gewonnen.

Nichts als Steine, Steine, Steine ...

Nichts als Steine, Steine, Steine …

... und nur in der Nähe der Oasen mal ein einsamer Baum.

… und nur in der Nähe der Oasen mal ein einsamer Baum.

Die Thermalquelle ist das Highlight in der Oase Pica.

Die Thermalquelle ist das Highlight in der Oase Pica.

... ohne Sonnencreme geht hier gar nichts.

… ohne dick Sonnencreme geht hier aber gar nichts.

Der Gigante der Atacama de Atacama ist 86m lang und ca. 600-1200 Jahre alt.

Der Gigante de Atacama ist 86m lang und ca. 600-1200 Jahre alt.

Humberstone, eine verlassene Kleinstadt mitten in der Wüste ...

Humberstone, eine verlassene Kleinstadt mitten in der Wüste …

... mit Kraftwerk, ...

… mit Kraftwerk, …

... Eisenbahnen (zum Gesteinstransport) ...

… Eisenbahnen (zum Gesteinstransport) …

... und sogar einem Schwimmbad samt Zuschauertribüne.

… und sogar einem Schwimmbad samt Zuschauertribüne.

Heute ging es dann per Bus weiter nach Calama, dem laut Reiseführer trockensten Teil der trockensten Wüste der Welt, wo wir die größte Kupfermine der Welt besichtigen werden, bevor wir dann von San Pedro de Atacama die Wüste unsicher machen wollen.

4 Gedanken zu „Iquique

  1. Mandy

    Hallo Ihr Lieben,

    ich nutze selbstverständlich meine gesetzliche Pause :-). Unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht. Wir freuen uns, regelmäßgig von euch zu hören und zu lesen. Natürlich freuen wir uns auch auf Ende Oktober! Eure Rückkehr naht also.

    Großes Lob, dass ihr so fleißig Spanish gelernt habt. Vincent hatte gestern seine ersten Spanischstunden in der Schule und hatte viel Spaß. Ese gibt einiges zu erzählen bezügl. der Schule von Jonathan. Wenn ihr Zeit habt, meldet euch doch mal wieder bei Facetime.

    Liebe Grüße und weiterhin ganz viel Spaß.

    Mandy

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  2. Anne & Dieter

    Glückwunsch, Josephina, dass du jetzt wieder mit zwei Armen hantieren kannst und dass Du, Jonathan, wieder Unterstützung beim Abwaschen hast :-))
    Und herzlichen Glückwunsch, Tine&Basti, dass ihr mit dem Spanischlernen so weit gekommen seid. Wir können das gut nachvollziehen und freuen uns mit euch!!
    Weiterhin viel Spaß, Freude und Erfolg wünschen euch vieren
    eure beiden Plauer

    Antworten
  3. Dieter&Ingrid

    Hallo ihr Lieben, es ist wie immer super interessant, was ihr erlebt. Ganz besonders freuen wir uns, dass Josephina wieder “gipsfrei” ist und alles ein gutes Ende gefunden hat. Ja, das geregelte Leben mit frühem Aufstehen und dann auch noch die Herausforderung des Sprachkurses können schon schlauchen ;o)) Sebastian, hab ich da graue Schläfen auf dem Foto mit Eurer Lehrerin gesehen? Oder sind es nur Lichtreflexe?
    Habt weiterhin eine tolle Zeit!
    GLG Dieter&Ingrid

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  4. Sigrid

    Holla! Herzliche Glückwunsch zum Spanischzertifikat.Ihr könnt immer bei Celina üben,sie freut sich und Chrissi versucht auch Spanisch an der Volkshochschule zu lernen.Dann könnt ihrquatschen und wir verstehen nichts.Sonst wieder vielen Dank für eure interessante neue Reisereportagen!!L.G.Sigrid

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