Calama

[Christina 03.09.2015]
Wir waren nur zwei Nächte in Calama, dennoch sind unsere Erlebnisse bereits wieder einen Artikel wert. Calama hat einen Jahresniederschlag von „null“ Millimetern und ist damit der trockenste Ort der Welt (es gibt lediglich einen kleinen Fluss/Flüsschen), wobei in der Stadt von Wasserknappheit nichts zu bemerken ist (die Gehwege werden mit Wasser besprenkelt, damit es nicht so staubt; die Wasserhähne tropfen und die Autos werden gründlich gewaschen). Nach unseren Wettererfahrungen der letzten Monate haben wir schon befürchtet, den ersten Regen seit vielen Jahren abzubekommen, aber wir sind glücklicherweise alle trocken geblieben. Ich persönlich finde es erstaunlich, dass sich in einem so trockenen Gebiet eine Stadt mit 160.000 Einwohnern entwickelt. Das Stadtbild ist hier geprägt von Sandsportplätzen, Spielplätzen auf Sand, sandigen Straßen und ab und zu mal ein paar Kakteen oder Büschen in den sandigen Vorgärten. Es gibt keine Wiesen, Grünflächen, Alleen oder Gärten wie wir sie kennen. Für mich ist das trostloser als die Dunkelheit, die ich in Schweden erlebt habe, und ich könnte hier nicht dauerhaft leben, aber für die Durchreise ist es hochinteressant, das alles einmal live gesehen zu haben.

Es ist hier so trocken, dass nicht einmal das Kupfer des Kirchendaches oxidiert.

Es ist hier so trocken, dass nicht einmal das Kupfer des Kirchendaches oxidiert.

Gestern haben wir uns die nahegelegene größte Kupfermine der Welt angeschaut – Chuquicamata. Im Jahre 1915 hat man begonnen, dort Kupfer abzubauen und hat mittlerweile eine mehr als 11km3!!! große Grube ausgehoben (die bis zu 1200m tief ist). Das dort gefundene Gestein hat einen Kupferanteil von weniger als 2% und wird in einem aufwändigen Prozess zu 99,99% reinem Kupfer verarbeitet.

An diesem "Loch" wird seit 100 Jahren gebuddelt.

An diesem 1200m tiefen “Loch” wird seit 100 Jahren gebuddelt.

Einmal täglich wird eine Führung für Interessierte angeboten, bei der man einen Blick in die Grube werfen kann. Wir sind natürlich dabei! Auf den ersten Blick sieht es gar nicht so spektakulär aus – bis man sich über die Größenverhältnisse Gedanken macht. Die Muldenkipper, die in der Grube fahren, sehen aus wie Spielzeugautos, dabei ist ein Reifen dieser Kolosse größer als Sebastian.

Die Muldenkipper verbrauchen 4500l Diesel am Tag und haben 3300PS.

Die Muldenkipper verbrauchen 4500l Diesel am Tag und haben 3300PS.

Die Laster arbeiten sich langsam 24 Stunden am Tag an jedem Tag des Jahres die schmalen Serpentinen hinauf (was ca. eine Stunde dauert), um das abgesprengte Gestein zu den Mahlwerken und Brennöfen zu transportieren – ein Knochenjob. Die 15.000 Angestellten und ihre Familien haben bis vor ein paar Jahren noch in der angrenzenden Stadt gewohnt (sogar kostenlos und mit allen Einrichtungen, die eine Stadt benötigt – wie z.B. Schule, Krankenhaus, Theater, Pubs und Clubs). Doch da auch unter der Stadt Kupfer entdeckt wurde und die Gesundheitsanforderungen an Wohnraum mittlerweile höher sind, musste die Stadt weichen und ein Teil der Stadt wird bereits von den gigantischen Abraumhalden (immerhin sind 98% des abgebauten Gesteins nicht weiter nutzbar) verschüttet.

Der kleine rote Fleck links der Kipper ist ein Toyota Hillux Geländewagen!

Der kleine rote Fleck links der Kipper ist ein Toyota Hillux Geländewagen!

Das nächste visionäre Projekt des Staatskonzerns ist eine unterirdische Mine mit kilometerlangen Tunneln, da ergiebiges Gestein nur noch in sehr großen Tiefen gefunden wird und es extrem aufwändig ist, sich von oben dorthin zu arbeiten. Alles in Allem hat uns die Tour und der Blick in die Grube sehr beeindruckt.

Heute sind wir nun weiter nach San Pedro de Atacama gefahren – einem sehr gemütlichen kleinen Ort, in dem wir die nächsten Tage verbringen werden.

3 Gedanken zu „Calama

  1. Toni

    Hallo ihr lieben,
    ich habe seit Wochen mal wieder in euren Blog geschaut und bin beeindruckt was ihr mittlerweile so alles erlebt habt. Kaum schaut man mal nicht hin, sind schon wieder 3-4 Blog-Einträge “nachzuarbeiten” ;-)
    Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und freue mich auf den nächsten Bericht.

    Liebe Grüße
    Toni

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  2. Anne & Dieter

    Hallo ihr Lieben,
    es erstaunt uns immer wieder aufs Neue, was für ungewöhnliche Orte es auf der Welt gibt … und dass ihr diese auch “aufspürt”. Irgendwie sind wir mit euch auch auf großer Welt(Geografie)Reise :))
    Wir freuen uns schon auf den nächsten Bericht. Liebe Grüße aus dem herbstlich werdenden Plau von
    OpaPa Dieter und OmaMa Anne

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  3. Dieter&Ingrid

    Hallo ihr fleißigen Blogger, das ist wirklich spannend! Und gruselig, wenn man nur in Trockenheit und Staub lebt. Die Ausmaße des Abbaugebietes sind echt gigantisch und die Fahrzeuge erinnern mich an den Film Avatar. Ich habe das Bild mit den Kippern erst mal herunter geladen, um den “roten Toyota- Fleck” überhaupt zu erkennen. Das sind schon gewaltige Größenverhältnisse.
    Wir sind gespannt auf den nächsten Bericht.
    GLG Dieter&Ingrid

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