Salta

[Sebastian 17.09.2015]

Drei Tage im Leben einer weltreisenden Familie:

Wir sitzen am Flughafen von Salta und sind leicht genervt. Seit drei Tagen versuchen wir bislang erfolglos mit unserem letzten Reiseabschnitt Argentinien warm zu werden. Und das kam so:

Eigentlich begann alles ganz vielversprechend mit der Busfahrt von San Pedro de Atacama (Chile) über die Anden nach Salta (Argentinien). Entlang der grandiosen Altiplanoszenerie über 4.800m hohe Pässe, zur Grenze (ohne irgendwelchen Zettelkram!) und weiter die atemberaubenden Serpentinen hinab ins Tiefland (endlich wieder Landschaft mit Bäumen und Grün) nach Jujuy verlief alles ganz entspannt und planmäßig. Dort eine Stunde auf den Anschlussbus warten und nach einer weiteren Stunde Fahrt sollten wir um 20:30 Uhr in Salta ankommen. Soweit der Plan. Nach besagter Stunde Fahrt sind wir schon sagenhafte 30km weit gekommen und dürfen unplanmäßigerweise den (defekten?) Bus wechseln. Die schließlich resultierenden 2h Verspätung nehmen wir noch mit Humor. Ist ja schließlich nicht das erste Mal und unsere Unterkunft ist zum Glück auch spät noch besetzt.

Am nächsten Morgen staunen wir nicht schlecht, wie unterschiedlich man „Frühstück inklusive“ interpretieren kann. In diesem Fall ein halbes Brötchen mit Butterfitzelchen und Marmelade. Aber egal, die Steaks warten ja in der Stadt schon auf uns. Wir machen uns voller Elan an die drei Pflichtaufgaben – Weiterreise nach Iguazu buchen, chilenisches Restgeld eintauschen und eine neue SIM-Karte besorgen, bevor wir unsere drei Tage hier genießen können. Von Mitreisenden erfahren wir, dass Busse nach Iguazu ca. 24h fahren (inkl. Buswechsel in Resistencia mitten in der Nacht) – soweit bekannt – und vergleichsweise teuer sind (ca. 140€ p.P. im Vergleich zu 36€ p.P. die wir für eine ähnliche Strecke nach Iquique bezahlt haben). Da uns die gestrige Fahrt noch etwas in den Knochen steckt, werden Alternativen geprüft. Auto mieten scheidet mit 1.200€ (inkl. 850€ one-way-fee, ohne Sprit) schnell aus. Bleibt also noch Fliegen. Und siehe da: Aerolineas Argentina bietet auf ihrer Homepage einen Flug für 628€ für uns alle zusammen an. Zwar geht der Flieger einen Tag eher als geplant, aber unser Hostel zeigt sich sehr kulant und storniert die überzählige Nacht kostenlos. Wenn wir jetzt die Tickets noch bezahlen könnten, wäre alles in Butter. Allein, unsere Kreditkarten werden nicht akzeptiert und alternative Zahlungsmethoden sind nicht vorgesehen. Der Kontakt mit der Hotline ergibt, dass wir als Ausländer innerhalb Argentiniens keine inländischen Tickets mit unseren Karten bezahlen können, da für Ausländer andere Tarife gelten. Warum man bei der Buchung dann explizit das Herkunftsland angeben kann/muss, erschließt sich uns nicht ganz, aber egal. Andere Länder andere Sitten. Als dann aber auch die Buchung über unser stets hilfsbereites Backoffice in Deutschland ebenfalls mit der gleichen Fehlermeldung scheitert, müssen wir wohl oder übel doch den Kontakt mit der lokalen Bevölkerung suchen.

Also auf in die Stadt, den Magen füllen und weiter zum Flughafen, um direkt vor Ort ein Ticket zu erstehen. Ersteres klappt auf Anhieb in einem Restaurant mit exzellenten Steaks (so hatte ich mir das vorgestellt) und Letzteres ist zum Glück nicht notwendig, da im Zentrum ein Büro der Fluglinie residiert. Das ist der Zeitpunkt (13:42 Uhr), an dem uns lokale Gepflogenheiten wie eine ausgedehnte Siesta fast aller Geschäfte von 13:30-17:30 Uhr erneut etwas ausbremsen. Also machen wir aus der Not eine Tugend, erstehen am Straßenrand 2 kg frische Erdbeeren, verputzen diese in Ruhe im Hostel und starten am späten Nachmittag einen weiteren Anlauf. Und endlich ist man geneigt, uns Touristen ein Ticket zu veräußern – allerdings mit einer zusätzlichen Bearbeitungsgebühr für den Schalterverkauf. Ok, damit hatten wir schon gerechnet. Ach ja, und dann erfahren wir noch, dass alle Ticketpreise im Netz nur für Argentinier gültig sind und grundsätzlich nur diese dort buchen können. Uns Ausländer würde man am Schalter aber für nur 864€ (für uns alle) Tickets überlassen. Da unsere Buslust einen temporären Tiefstand erreicht hat und wir die Unterkünfte in Iguazu am Nachmittag schon gebucht haben, willigen wir zerknirscht ein. Und wieder geht’s ans Bezahlen. Also schnell die vielen restlichen chilenischen Pesos und Bolivianos umtauschen (wir hatten uns beim Geldabheben etwas verkalkuliert) und dann mit Barzahlung die Auslandsgebühren der Kreditkarte sparen – so der Plan – bis wir leidvoll erfahren, dass hierzulande Banken nur von 9:30-13:30 Uhr offen haben (Siesta und dann Feierabend?). Nun doch Kartenzahlung. Grmpf.

Da der Flieger erst um 18:55 Uhr abhebt (so glauben wir zu diesem Zeitpunkt noch), versuchen wir vormittags des nächsten Tages noch mal unser Glück mit den Banken – das uns dieses Mal nicht hold ist. Keine Bank (dieser 500.000 Einwohnerstadt in der Grenzregion zu Chile und Bolivien) tauscht chilenische Pesos geschweige denn Bolivianos; die einzige Wechselstube hat wohl gerade ihre Wechsellizenz verloren (wenn wir den Aushang richtig interpretiert haben) und den dutzenden Gestalten, die uns aufdringlich ihre Geldwechseldienste anbieten, wollen wir solche Summen nicht auf der Straße offerieren. Also wieder mal Planänderung. Jetzt schleppen wir die Scheine halt noch fünf Wochen mit uns rum und hoffen auf flexiblere Dienstleister in Deutschland. Heißt aber auch, dass wir jetzt mehr Geld abheben können bzw. müssen bzw. müssten. Denn wie wir lernen, gestehen uns die großzügigen argentinischen Geldautomaten unglaubliche 150€ pro Tag und Karte zu. Das kann ja lustig werden. Dann wird der Gang zum Geldautomaten wohl ein fast alltägliches Ritual werden. Überhaupt scheint Bargeldverfügbarkeit momentan ein ganz eigenes Thema im Land zu sein. Wir sehen lange Schlangen von Leuten am Vormittag vor den Banken, die sich (so unsere Vermutung) in Ermangelung von EC oder Kreditkarten ihr Geld am Schalter auszahlen lassen. Will man mit umgerechnet 10€-Scheinen bezahlen, führt das oftmals zu Problemen, da solche „Summen“ nicht gewechselt werden können – und das bei Preisen, die nicht sonderlich unter den deutschen liegen. Aber sei’s drum. Dann wird halt, wie in Asien, wieder fleißig Kleingeld (sprich labbrige halb zerfallene Scheine mit Nennwerten bis runter zu 20 Cent) gesammelt.

Dann fehlt uns jetzt nur noch eine neue SIM-Karte. Der erste Shop hat kostenlose SIM-Karten, allerdings nicht im Nanoformat, der zweite will ca. 2€ für die SIM-Karte haben, kann aber kein Guthaben aufladen und die Hauptfiliale hat gerade Systemprobleme und kann keine Karten aktivieren. An diesem Punkt haben wir abgebrochen. (Wir starten wohl noch mal einen Anlauf in Iguazu.) Wir verdauen den ereignisreichen (bzw. eigentlich -armen) Vormittag wieder mit exzellenten Steaks (das können die hier wirklich gut) und erneut einer großen Schale Erdbeeren, bevor es am Nachmittag zum Flughafen geht. Dort erfahren wir, dass unser Flieger angeblich erst eine Stunde später abheben wird (obwohl alle Anzeigen einen pünktlich Abflug ankündigen). „Nicht ärgern – einfach nur wundern!“ ist von jetzt an unser Motto. Wir hoffen, dass in Iguazu der Funke überspringt und wir mit Argentinien doch noch warm werden. Die Steaks waren jedenfalls schon mal ein vielversprechender Anfang.

4 Gedanken zu „Salta

  1. Mandy

    Oh man, ein schöner Einstieg in Argentinien. Hoffentlich läuft es auf der letzten Etappe besser. Meine Kollegin hat Argentinien als Patenland und berichtet Ähnliches aus Buenos Aires. Das Land steckt mitten in der Krise.

    Ich freue mich auf den nächsten Bericht.

    Liebe Grüße
    Mandy

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