Rotorua/Whakatane

[Christina – 31.03.2015]
Die letzte Woche war eine sehr erlebnisreiche wow-Woche. Unser Aktivitätenbudget haben wir gut gestresst und so eine Menge aufregender Eindrücke gesammelt. Ich bin total fasziniert von den vielen bunten Farben und den blubbernden und dampfenden Löchern in der gesamten Gegend. (Den Gestank kann man darüber gut vergessen bzw. erfolgreich ignorieren.)

Die Geräuschkulisse besteht aus Zischen und Pfeifen - bitte dazudenken.

Die Geräuschkulisse besteht aus Zischen und Pfeifen – bitte dazudenken.

Wir sind von Turangi Richtung Norden nach Rotorua gefahren. Rotorua ist DER vulkanische Hotspot in Neuseeland. Die pazifische Platte schiebt sich hier unter die australische. Daher ist der Erdmantel hier besonders dünn. In der gesamten Stadt dampft es  – sei es im Park aus eingehausten Löchern oder aus Gullis oder Vorgärten.

Ups, über Nacht ist hier ein neues Loch entstanden.

Ups, über Nacht ist hier mitten im Stadtpark ein neues Loch entstanden.

Wir schauen uns Wai-O-Tapu an, das sogenannte Thermal Wonderland. Und ein Wunderland ist es wirklich. Auf kleinster Fläche finden sich sämtliche Farbschattierungen, die man sich so vorstellen kann – leuchtendes Gelb, sattes Grün, tiefes Blau und schimmerndes Rot. Es ist so beeindruckend.

Treffend heißt dieser Ort die Farbpalette des Künstlers.

Treffend heißt dieser Ort die Farbpalette des Künstlers.

Genauso faszinierend wie die Mud Pools, wo der Schlamm bis zu 3m in die Höhe spritzt. Wenn man ein bisschen Geduld mitbringt, sieht man tolle Eruptionen – ich hätte stundenlang dort stehen und zugucken (und Fotos machen) können. Aber meine Familie wollte gerne vor dem Dunkelwerden zu Hause sein und ich wollte nicht unbedingt alleine dort übernachten.

Faszinierend!

Faszinierend!

Für die Kinder wartet ein ganz besonderes Highlight im nächsten Backpacker – dem Funky Green Voyager. Die Besitzer Anja und Gerrard sind deutsch und neuseeländisch, weshalb die beiden Kinder Don und Lola sehr gut deutsch sprechen. Da sie auch noch im gleichen Alter wie unsere beiden sind, verstehen sie sich auf Anhieb und spielen in jeder freien Minute miteinander. Wir beschließen also, dass die Kinder spontan eine Woche Ferien haben und keine Schule machen brauchen.

Endlich mal wieder Spielkameraden.

Endlich mal wieder Spielkameraden.

So bleibt genug Zeit, das große Trampolin zu testen, LEGO zu bauen und Ball zu spielen. Auch wir profitieren von dem Hostel mit Familienanschluss und werden zum Pizza essen eingeladen – nochmals vielen Dank. Wir haben den Abend sehr genossen. Zudem werden wir von Gerrard in das Geheimnis des Cricketspiels eingeweiht. Am Sonntag Abend fand das Endspiel der Cricketweltmeisterschaft statt (Australien gegen Neuseeland) und Gerrard erklärt uns die Regeln bei Bier und Schokolade vor dem Fernseher. Ab sofort können wir etwas mitreden. (Das Spiel dauerte 6½ Stunden und leider hat Neuseeland verloren. Interessant war es für uns trotzdem.) Diese Woche war genau das, was wir uns von der Reise erhofft hatten – mit den Locals in Kontakt zu kommen und sich in der Fremde heimisch zu fühlen. Wir alle vier haben das genossen. Nochmals vielen Dank an die gesamte Familie Telfer.

Weils so schön ist, noch ein Mud Pool Bild.

Weils so schön ist, noch ein Mud Pool Bild.

Und wie es der Zufall will, kam noch eine zweite weltreisende Familie mit zwei Kindern aus Belgien an, die die Welt umsegeln. Das war ebenfalls sehr spannend für uns. So viele Spielkameraden hatten die Kinder lange nicht. Vielleicht treffen wir uns demnächst noch einmal wieder und tauschen uns weiter aus.

Aber nun wieder zurück zu unseren Aktivitäten. Todesmutig haben wir uns in einer riesigen Kugel einen 350m langen Hang hinuntergerollt. Jeweils ein Erwachsener und ein Kind passten in eine Kugel, etwas Wasser dazu und los ging es. Das hat riesig Spaß gemacht, man hat total die Orientierung verloren und es ging viel zu schnell vorbei, aber es ist hier eine beliebte Attraktion für einen Kindergeburtstag. Man kann sogar um die Wette kugeln.

Ca. 2 Minuten dauert die Rutschtour.

Ca. 2 Minuten dauert die Rutschtour.

Außerdem haben wir wie schon vor 12 Jahren den Agrodome besucht. Dort werden 19 verschiedene Schafarten vorgestellt, z.B. Romney, Merino (das ist bestimmt jedem ein Begriff von der Merinowolle – eine beeindruckende Rasse) oder Suffolk. Dann darf ich auf die Bühne und eine Kuh melken (und bekomme sogar ein Zertifikat dafür) und die Kinder dürfen die Lämmer füttern. Josephina hatte das hungrigste Lamm, dessen Flasche als erstes leer war. Im Anschluss gab es noch eine Hütehundvorführung. Die war für uns besonders lustig, da der Hund sich etwas dusselig angestellt hat und die vier Schafe immer wieder ausgebüchst sind. Aber es hat auf jeden Fall gezeigt, dass die Schafe nicht trainiert sind und der Hund genau wissen muss, was er zu tun hat.

Jede Rasse hat ihre Vor- und Nachteile. Das Merinoschaf steht oben in der Mitte.

Jede Rasse hat ihre Vor- und Nachteile. Das Merinoschaf steht oben in der Mitte.

Eine Vorführung ganz anderer Art gab es im Mitai Cultural Village. Die Maori geben dort auf beeindruckende Weise einen Einblick in ihre Kultur. Wir essen Hangi (Fleisch, Gemüse und Kartoffeln aus dem Erdofen), sehen Tänze, Geschicklichkeitsspiele und Kampfübungen der Maori und erfahren bei einem kurzen Spaziergang durch das „Dorf“ etwas über die damalige Lebensweise in den kleinen Häusern und die Funktion der großen Palisadenzäune.

Mit dem Boot kamen die Krieger bzw. Künstler an.

Mit dem Boot kamen die Krieger bzw. Künstler lautstark und angsteinflößend an.

Überall in Neuseeland wird versucht, die Possums, Wiesel und Ratten auszurotten und einheimische Vögel wieder in den Wäldern anzusiedeln. Ein solches Projekt findet auch in Rotorua statt. Man hat bereits 50ha Wald  „gesäubert“, indem man ca. alle 50m Fallen aufgestellt hat, um die Säugetiere zu fangen. Nun versucht man wieder, Tuis, Kiwis und andere einheimische Vögel (die von den Säugern vertilgt wurden) in diesem Wald zum Nisten anzusiedeln. Finanziert wird dieses Projekt teilweise aus den Einnahmen von Canopy Tours. Wir haben eine solche Tour gebucht und sind fasziniert von dem Wald und dem Projekt. Der Wald ist seit seiner Entstehung von Menschenhand nicht verändert worden. Nur noch 5% der Wälder in Neuseeland können das von sich behaupten. Es ist urig, als wir in den Wald eintreten, alles ist bemoost, wir sehen blaue Pilze (Hä, sind die echt? Ja, sind sie.) und es herrscht eine erdrückende Stille.

Ob die wohl giftig sind?

Ob die wohl giftig sind?

Hier fehlen tatsächlich noch etliche Vögel für die Geräuschkulisse und das richtige Urwaldfeeling. Wir dürfen hier nun von einer Plattform zur anderen schwingen – per Zipline. Tolles Gefühl muss ich sagen. Man schwebt sozusagen über dem Blätterdach und hat tolle Blicke auf und in den Wald.

So fühlt sich Freiheit an.

So fühlt sich Freiheit an.

Den einen Regentag, den wir erwischen, nutzen wir, um ganz romantisch in einer heißen Quelle mit einem kleinen Wasserfall zu baden – im Kerosene Creek. Wobei der Geheimtipp keiner mehr zu sein scheint, denn der Parkplatz am Ende der sehr schlechten Gravelroad ist voll mit Autos und die Quelle gut besucht. Die Idee, einen Regentag für den Badeausflug zu nutzen, hatten etliche Leute. Dennoch ist es sehr schön.

Hier war gerade wenig los.

Hier war gerade wenig los.

Donnerstags gibt es in Rotorua immer einen Nachtmarkt. Gerrard nimmt uns spontan mit und zeigt und die besten Essensstände – wir schlemmen Curry, Kuchen, Brezel, einen extra guten Cappuccino und Eis mit frischen Früchten (Gerrard stellt sich dafür unter den wachsamen Augen des Besitzers selbst hinter die Maschine). Er hat übrigens einen sehr guten Autogeschmack und fährt standesgemäß einen der drei in Rotorua zugelassenen T5 (es gibt einen roten, einen weißen und seinen schwarzen). Auch Sebastian darf mal hinters Steuer für ein bisschen Heimatgefühl. Und wir bekommen natürlich auch gleich Verbesserungsvorschläge für die nächste Generation mit auf den Weg. (Wer arbeitet im Vertrieb und kann das mal mitnehmen?)

Die aufsteigenden Gase erwecken den Eindruck von kochendem Wasser.

Die aufsteigenden Gase erwecken den Eindruck von kochendem Wasser.

Essenstechnisch haben wir letzte Woche auch wieder etwas dazugelernt. Unsere geliebten Quarkklöße funktionieren nicht mit Hüttenkäse, naja irgendwie schon, aber der Geschmack lässt etwas zu wünschen übrig. Quark ist halt Quark. Auf der Reise mussten wir feststellen, dass auch fast all unsere Lieblingskuchen mit Quark gemacht werden. Aber zum Glück nur fast alle – letzte Woche gab es Far Breton und diese Woche wollen wir die letzten Erdbeeren, die wir teuer erstanden haben (ca. 14€/kg), zu einem Erdbeerkuchen verarbeiten.

Der Abschied in Rotorua fiel uns ein wenig schwer, aber es wartete dafür ein weiteres Highlight in Whakatane auf uns. Wir haben eine Tour zu einer aktiven Vulkaninsel gebucht, die 49km vor der Küste Neuseelands liegt – White Island. Mit dem Boot ging es ca. 1½ Stunden über das Meer, bevor wir auf ein Schlauchboot umsteigen mussten, das uns die letzten Meter zur Landungsstelle gebracht hat.

Definitiv imposant!

Definitiv imposant!

Ausgestattet mit Helm und Gasmasken machten wir uns auf den Weg zum Krater der Vulkaninsel vorbei an gelben, dampfenden Schwefelfeldern. (Wir haben auch etwas sauren Schwefel gegessen – schmeckt wie Brausepulver und zischt auch so auf der Zunge.)

Wir waren froh über unsere Expeditionsausrüstung.

Wir waren froh über unsere Expeditionsausrüstung.

Am Krater hatte man dann einen tollen Blick auf den Kratersee (mit einem pH-Wert von zwei, da will man also kein Bad drin nehmen).

Dieser See lädt nicht zum Baden ein.

Dieser See lädt nicht zum Baden ein.

Auf dem Rückweg haben wir uns noch eine bereits ca. 100 Jahre stillgelegte Schwefelfabrik angeguckt und einiges über die Arbeitsbedingungen von damals erfahren. Grundsätzlich ging es den Leuten ganz gut, auch wenn aufgrund der säurehaltigen Dämpfe die Zähne etwas gelitten haben und das gewonnene Trinkwasser nicht sehr lecker war. Es gibt zwar Quellen auf der Insel, aber das Wasser ist zu sauer, um es zu trinken.

Viel ist von der Fabrik nicht übrig - Steine, Metall alles verrottet.

Viel ist von der Fabrik nicht übrig – Steine, Metall alles verrottet.

Der Vulkan bricht üblicherweise mehrmals im Jahr aus, wir haben aber keine Eruption miterlebt – schade, das wäre bestimmt interessant gewesen. Der Vulkan gehört zur Kategorie 1 (auf einer Skala von 0 bis 5), was bedeutet, dass es durchgehende Hintergrundaktivität gibt. Es war schon ein beeindruckendes Gefühl, diese Insel betreten zu haben, auch wenn ich es mir farbenfroher vorgestellt hätte. Dieser Vulkan bestand hauptsächlich aus gelbem Schwefel und dampfte blau (welches Element dafür verantwortlich war, weiß ich leider nicht mehr, sah aber toll aus).

Gelb war die beherrschende Farbe.

Gelb war die beherrschende Farbe.

Als nächstes geht es Richtung Coromandel – einer Halbinsel mit vielen schönen Stränden. Genau die richtige Umgebung für ein geruhsames Osterfest.

11 Gedanken zu „Rotorua/Whakatane

  1. Anja

    Hallo Ihr Lieben, ich hatte leider euren Zettel mit den Daten verlegt, deshalb kommen wir jetzt erst zum Kommentieren! Toller Bericht ueber Rotorua und das Foto von den Kindern ist sehr suess!
    Wir haben uns sehr gefreut, euch kennenzulernen und hoffen, dass Ihr noch viel Spass auf Eurer Reise habt!
    Take care!!!
    Anja, Gerard, Don und Lola

    Antworten
    1. csjjontour Artikelautor

      Hallo Anja! Schön, von Euch zu hören. Eure Saison ist vermutlich fast vorbei und ihr freut euch sicherlich, bald nach Deutschland zu fahren. Liebe Grüße Christina und Sebastian

      Antworten
      1. Anja

        Ja, die Saison ist hier jetzt vorbei, das Hostel ist ziemlich ruhig! Sag mal, Lola hatte auch geschrieben, um sich fuer die Karte von Josephina zu bedanken – ist das nicht angekommen – ich finde den Kommentar nicht (obwohl er zunaechst da war….).
        Uebrigens geht es bei uns erst am 1.August los, also noch etwas Zeit :-)

        Antworten
  2. Sigrid

    Danke für den interessanten Bericht aus eurem Leben.Das Zischen hab ich mir vorgestellt,aber besonders beeindruckt hat mich der blaue sicherlich giftige Pilz.Was die Natur so alles hervorbringt!!Weiter viel Spass auf eurer Reise.Liebe Grüsse Sigrid

    Antworten
    1. csjjontour Artikelautor

      Hi Sigrid,
      ich glaube, du gewinnst den Preis für die treueste Kommentarschreiberin – danke.

      Antworten
  3. Stefanie

    Hallo ihr Vier,

    wir wünschen euch ein fröhliches und unvergessliches Osterfest. Aber nicht von den blauen Pilzen naschen. Habs gleich mal gegoogelt: The Blue Sky Mushroom (Entoloma hochstetterie). Gibt es angeblich noch auf einer Briefmarke und auf dem 50$ Schein.

    Liebe Grüße,
    Marlene, Stefanie & Andreas

    Antworten
    1. csjjontour Artikelautor

      Hi, wir haben den Pilz auf dem Geldschein nicht gefunden. Danke fürs Nachschlagen – da kommt die Biologin durch :-)

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  4. Henning

    Hi Tine,

    echt Klasse!
    Und gut, dass Jonathan in seinem Bericht die Extra-Ferienwoche nicht erwähnt hat. ;-)
    Für Basti noch ein Film-Zitat zum Thema Urwald (mit blauen Pilzen – Wahnsinn!): “Welch Wahnsinn trieb sie dort hinein?” Kommt er drauf?

    Weiterhin viel Spaß, liebe Grüße und frohe Ostern aus dem wieder mit Schnee gesegneten Salzburg
    Henning

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  5. Dieter & Anne

    Was für ein Bericht, Tine!! Wahnsinn, was und wie ihr alles macht. Mit eurer ganz eigenen Art geht ihr alles ruhig an und schafft dabei sooo viel. Wir lesen die Berichte immer wieder und freuen uns. Jetzt wünschen wir FRÖHLICHE OSTERN für euch ALLE … und dass der Osterhase euch auf Coromandel findet.
    Liebe Grüße von Insel zu Halbinsel

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  6. Mandy

    Liebe Christina, vielen Dank für den tollen Bericht. Die Kinder in Deutschland haben auch Ferien und genießen die freie Zeit

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